06. März 2020

Saschas Marathon Challenge

Sascha Breese (40) ist ein Macher. Ständig für SportsTotal in der Weltgeschichte unterwegs. Heute Madrid , morgen London. Ein unstetes Leben. Mal klingelt der Wecker um vier, meist kommt er dann erst gegen Mitternacht ins Hotel.
Gegessen wird dann, wenn der Zeitplan es zulässt. Auch noch spät. Und dann gerne opulent. Denn Breese isst gerne. Außerdem könne er ja nicht, so unkt er, nach einer Verhandlung mit Real Madrid im Beisein der königlichen Bosse in einem Salat rumstochern und an einem Glas Wasser nippen.
Mit jedem Transfer und jeder Vertragsverlängerung habe Breese, so witzelt Volker Struth gerne, ein halbes Kilo zugenommen.
Früher, erzählt er dann gerne, habe er Tennis gespielt und auch Basketball auf höherem Niveau. Er sei eine Sportskanone gewesen. Heute bezeichnet er sich selbst eher als versteckten Athleten.
Doch Asse schlägt er mittlerweile seit Jahren nur noch am Verhandlungstisch. Einen Tenniscourt sieht Breese nur noch, wenn er ab und zu im Reebok Sports Club La Finca gegen Toni Kroos den Schläger schwingt.
„Die VIP-Räume in den Stadien mit ihren endlosen Büfetts tragen nicht unbedingt dazu bei, dass sich meine Situation verbessert“, gesteht Breese. „Ich bin gutem Essen schon zugeneigt, ein Genussmensch, anfällig für kulinarische Versuchungen. Für mich ist das Lebensqualität.“

Doch damit ist es jetzt vorbei. Denn Breese läuft. Für sich. Und die SportsTotal-Stiftung, die sich für Kinder-, Jugend- und Altenhilfe einsetzt. Angetrieben von Mark Uth (Köln), Lars Stindl (Gladbach) und Simon Terodde (Köln), die allesamt nicht daran glauben, dass Breese es schafft, den Köln-Marathon 2020 zu bewältigen. Schafft er es doch, gibt es von ihnen Geld für den guten Zweck. Auch die beiden SportsTotal-Geschäftsführer packen jeweils Geld obendrauf, sollte ihr Kollege Breese es tatsächlich packen.

Breese hat zugestimmt. Er will es endlich packen. So oft schon hat er es probiert. Immer wieder hat er sich geschworen, sich körperlich in bessere Form zu bringen. Doch statt zum Adonis wurde er zum Jojo-Breese. „Unsere Spieler kennen mich gar nicht in der schlanken Version. Aber das werde ich jetzt ändern. Bei dem Anreiz muss ich es einfach schaffen,“ sagt Breese, der mit seinem Personaltrainer Arne Greskowiak von ago Sport arbeitet.

Am 26. April startet er beim Halbmarathon in Düsseldorf. Am 4. Oktober ist es dann in Köln soweit.

So richtig bewusst, worauf er sich wirklich eingelassen hat, ist er sich mit Sicherheit nicht. Wie schnell es vom Läuferhoch zum Läufertief gehen kann. Dass selbst die Form seines Lebens nicht reichen muss, um es zu packen. Wie viele Marathon-Debütanten sind schon vom plötzlichen Kolbenfresser in ihren Beinen niedergestreckt worden. Oder vom Hieb vom Mann mit dem Hammer, dieser sagenumwobenen Angstgestalt eines jeden Marathonläufers, der angeblich bei Kilometer 30 lauert.
Breeses Laufstil wird sich garantiert mindestens vom federnden Schritt zum stampfenden Vorwärtsschleppen verändern.
Emil Zátopek sagte einmal über seinen Marathon-Olympiasieg 1952: „Eine Woche lang konnte ich mich nicht mehr bewegen, so sehr hat mich dieses Rennen zermürbt. Aber es war die wohltuendste Erschöpfung, die ich je erlebt habe.“
Für Breese geht es um mehr als nur um dieses ihm noch völlig neue Gefühl. Es geht um seine Gesundheit. Darum, den Jojo-Breese hinter sich zu lassen. Und vor allem darum, nach der Qual viel Geld für den guten Zweck zur Verfügung zu stellen.